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Wieviel Schlaf braucht mein Kind?

Wieviel Schlaf braucht mein Kind?

Gerade im ersten Lebensjahr verändert sich die Schlafdauer von Babys immer wieder und passt sich dem akutellen Entwicklungsstand an. Mit ein paar Abweichungen kann aber gesagt werden, dass Neugeborene am meisten Schlaf benötigen und je älter das Kind wird, die Schlafdauer kontinuierlich abnimmt, bis sie sich dann im Erwachsenenalter bei einer bestimmten Stundenanzahl einpendelt. Aber nicht nur die Stundenanzahl verändert sich im Laufe der ersten drei Lebensjahren, auch die Anzahl Stunden, die ein Kind am Stück schläft bzw. die Anzahl Schlafphasen, die ein Kind innert 24 Stunden braucht.

Warum schlafen Babys so lange?

Während des Schlafes wechseln sich verschiedene Schlafstadien mehrmals ab. Etwas vereinfacht dargestellt, sind dies der REM-Schlaf (Rapid Eye Movement) und der NON-REM-Schlaf. Im REM-Schlaf träumen wir häufiger und wachen bei Geräuschen schneller auf. Es wird auch davon ausgegangen, dass im REM-Schlaf Lernprozesse im Gehirn verankert werden. Da Babys im ersten Lebensjahr so viel Neues lernen wie später nie mehr im selben Zeitraum, brauchen sie natürlich auch viel mehr Schlaf und verbringen vergleichsweise mehr Zeit im REM-Schlaf als Erwachsene. Ein weiterer Grund ist wohl, dass für den längeren Wachzustand eine gewisse Gehirnreife vorausgesetzt wird, welcher sich bei Neugeborenen erst entwickelt1.

Welche Schlafdauer für Kinder ist "normal?

Gerade beim Schlaf gibt es eine grosse Bandbreite was einer «normale» Schlafdauer entspricht. Es gibt so gesehen kein normal und auch kein richtig oder falsch. Vielmehr ist die Schlafdauer eines Kindes, wie auch die eines Erwachsenen, eine individuelle Grösse, die sich nicht verändern lässt. So gibt es Erwachsene, die mit 4, 5 Stunden Schlaf auskommen und solche die 10 Stunden benötigen. Der Durchschnitt liegt aber bei ungefähr 7, 8 Stunden.

 

Auch bei Babys ist diese Spannbreite enorm, vor allem bei Neugeborenen. So kann die Gesamtschlafdauer bei einem ein monatigen Baby von 9 Stunden bis zu 19 Stunden reichen und alles gilt als normal. Es ist anzumerken, dass diese Schlafdauer immer ein Durchschnittswert über mehrere Nächte verteilt darstellt. So kann es durchaus sein, dass ein Kind, welches 12 Stunden Schlaf benötig, einmal 11 und einmal 13 Stunden schläft. Es wird aber in der Regel nie 16 Stunden schlafen – ausser es ist krank oder litt wirklich an einem enormen Schlafmangel. Mit einem Jahr schlafen die Kinder dann zwischen ca. 11.5 und 16.5 Stunden und mit vier Jahren zwischen 9.5 und 14 Stunden.

 

Die Schere nimmt zwar mit zunehmenden Alter etwas ab, doch ist ein Unterschied von über 4 Stunden im Alltag mit einem Kleinkind enorm. So geht das eine Vierjähre bspw. um 20.00 Uhr ins Bett, schläft 12 Stunden und schläft am Mittag nochmals zwei Stunden. Das andere Vierjährige geht um 21.30 zu Bett und steht um 7.00 Uhr morgens wieder auf. Einen Tagesschlaf braucht es vermutlich schon länger nicht mehr. Ich finde es wichtig, zu erwähnen, dass Eltern von Kurzzeitschläfern häufig anderen Belastungen ausgesetzt sind, was die Organisation des Alltags und die Einteilung der elterlichen Ressourcen betrifft.

 

Diese Werte über die Schlafdauer stammen übrigens aus der Abteilung Wachstum und Entwicklung der Universitäts-Kinderklinik Zürich. In einer Zürcher Longitudinalstudie wurden 493 gesunde Schweizer Kinder der Jahrgänge 1974–1993 im Alter von 1 Monat bis zum Alter von 16 Jahren beobachtet und deren Schlafverhalten ausgewertet. Wen es interessiert, gelangt hier zum Artikel:

Die Schlafdauer lässt sich nicht verändern

Gerade Eltern, die Kinder haben, die wenig Schlaf benötigen, machen sich oft Sorgen, dass ihr Kind zu wenig schläft. Nicht selten vermuten Eltern von Kurzzeitschläfern zudem eine Einschlafstörung. Häufig ist diese aber nur dadurch bedingt, dass ihr Kind mehr Zeit im Bett verbringt, als das es schlafen kann.

 

Ein Beispiel: Ein 2 jähriges Kind mit einem Schlafbedarf von 11 Stunden, steht morgens um 7.00 Uhr selbständig auf. Um 13.00 Uhr wird es von den Eltern für den Tagesschlaf ins Bett gelegt, es schläft dann auch relativ schnell ein und für etwa 90min. Abends um 20.00 möchten die Eltern gerne kinderfreie Zeit und bringen es ins Bett. Das Kind steht aber immer wieder auf, ruft nach den Eltern, turnt im Bett umher, weint und schläft dann etwa um 21.30 Uhr ein. Das Einschlafprozedere ist für alle Beteiligten jeden Abend stressig und bringt viel Unruhe ins Familienleben. Die Eltern sind verzweifelt und versuchen verschiedene sinnvolle und weniger sinnvolle Möglichkeiten, um das Kind um 20.00 Uhr zum Schlafen zu bringen.

 

Wer rechnet wird feststellen, dass das Kind insgesamt 90min mehr Zeit im Bett verbringt, als seiner Schlafdauer entspricht. Wie sehr sich die Eltern auch bemühen oder sich dies wünschen, das Kind kann um 20.00 Uhr noch nicht schlafen, weil es noch nicht müde ist. Was aber möglich ist und den Eltern Entlastung bieten kann, ist die Umverteilung der sich eingependelten Schlafenszeiten. Wenn es den Eltern sehr wichtig ist, abends um 20.00 Uhr Elternzeit zu haben, dann können sie bspw. den Tagesschlaf um 45min kürzen und die Aufstehzeit morgens um 45min vorziehen. Dies lässt sich natürlich nicht von morgen auf heute verändern, sondern muss in kleinen Schritten umgesetzt werden.

Woher weiss ich wieviel Schlaf mein Kind braucht?

Um wirklich herauszufinden wieviel Schlaf dein Baby oder Kleinkind benötigt, ist es sinnvoll, die Schlafdauer über einen Zeitraum von 14 Tagen genau aufzuschreiben. Dazu eignet sich ein Schlafprotokoll. Den Durchschnittswert, den du dabei ermittelst, entspricht der individuellen Schlafdauer deines Kindes. Vergiss nicht, dass sich gerade im ersten Lebensjahr die Schlafdauer immer wieder etwas verändert. Wacht dein Kind plötzlich morgens viel eher auf, ist mitten in der Nacht hellwach oder hat am Abend Schwierigkeiten einzuschlafen, dann müssen vielleicht die Bettzeiten wieder angepasst werden.

 

 

Das hört sich jetzt ganz einfach und analytisch an. Schlafdauer ermitteln, Stunden aufteilen und zack läuft alles wie am Schnürchen. Ich weiss, so einfach ist es häufig dann doch nicht. Trotzdem soll dir dieser Artikel aufzeigen, dass alles in Ordnung ist, egal ob dein Kind viel oder wenig schläft und dass gerade beim Babyschlaf viele vermeintliche Schlafprobleme auf Missverständnisse zum kindlichen Schlaf beruhen.

1 Wissenschaftsmagazin Unipress, Universität Bern, Februar 2019

 


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