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Vorwärtsgerichtetes Tragen - drei wichtige Gründe sprechen dagegen

Vorwärtsgerichtetes Tragen

Immer wieder werde ich von Eltern gefragt, weshalb sie ihr Baby nicht nach vorne – also in Blickrichtung der Trageperson – tragen sollen. Das Kind wolle mehr sehen und sei sonst in der Trage nicht mehr zufrieden. Es gibt aber drei wichtige Gründe, die gegen diese Trageweise sprechen.

1. Das vorwärtsgerichtete Tragen unterstützt die Anhock-Spreiz-Haltung nicht

Um der kindlichen Anatomie Rechnung zu tragen, vor allem der noch unausgereiften Hüfte und Wirbelsäule, ist es erforderlich, das Baby in der sogenannten Anhock-Spreiz-Haltung zu tragen. Das heisst, der kindliche Rücken ist gerundet und die Beinchen sind angehockt. Beim vorwärtsgerichteten Tragen ist dies, in den meisten Fällen, nicht möglich. Die Beinchen hängen gerade nach unten und der Rücken ist gestreckt oder sogar in einem Hohlkreuz. Es gibt Tragemarken, wie bspw. Ergobaby, die es sich zum Ziel gemacht haben, eine Tragehilfe zu entwickeln, die die Anhock-Spreiz-Haltung für Kinder ab ca. fünf, sechs Monaten auch in der nach vorne gerichteten Trageweise bedingt ermöglicht.

2. Das vorwärtsgerichtete Tragen fördert kindlichen Stress durch Reizüberflutung

Auch schon kleine Babys können nachweislich unter Stress leiden. Viele Dinge können beim Baby Stress auslösen. Gerade viele verschiedene akustische und visuelle Reize können ein Baby schnell überfordern. Dazu gehört Lärm, grelles Licht, viele Farben, sich schnell bewegende Dinge usw. Nicht allen Babys merkt man den Stress von aussen sofort an. Häufig kommt es aber in den Abendstunden zu vermehrtem Quengeln, Schreien, schlechtem Schlaf und allgemeiner Unruhe. Wird ein Baby also vermehrt ausserhalb der eigenen vier Wände nach vorne gerichtet getragen, wird das Baby vielen Reizen ausgesetzt. Da es seinen Kopf nicht einfach wegdrehen kann, wie bei anderen Trageweisen, kann sich das Kind nicht selber von den Reizen schützen. Je jünger ein Baby ist, desto anfälliger ist es auf eine Reizüberflutung und damit einhergehenden Stress. Selbst Ergobaby empfiehlt das nach vorne gerichtete Tragen mit ihrer speziell dafür konzipierten Traghilfe nur für 10 bis max. 20 Minuten in einer reizarmen Umgebung.

3. Das vorwärtsgerichtete Tragen kann dem weiblichen Beckenboden gesundheitlichen Schaden zufügen

Der Beckenboden der Frau wird durch die Schwangerschaft und die Geburt stark belastet und verliert an Kraft und Stabilität. Die Rückbildung dauert nach der Geburt ungefähr neun Monate. Bei manchen Frauen, insbesondere bei stillenden hormonell bedingt sogar noch länger. Tragen vor dem Bauch ist grundsätzlich für den Beckenboden, aber auch für den Rücken nicht optimal. Wenn dieser nun noch geschwächt ist und das Gewicht des Kindes bereits mehrere Kilos beträgt, kann sich dies nachteilig auf die Gesundheit der Frau auswirken. Folgen wie eine Belastungsinkontinenz oder Organsenkung können teilweise auch erst Jahre später auftreten. Wickelwind empfiehlt deshalb Babys nach einigen Monaten nicht mehr vor dem Bauch zu tragen, weder vorwärts noch zur Trageperson gerichtet.

Fazit zum vorwärtsgerichteten Tragen

Obwohl gewisse Tragehilfen die anatomischen Besonderheiten von Babys in gewissem Masse berücksichtigen, ist die nach vorne gerichtete Trageweise nicht für längeres und regelmässiges Tragen geeignet. Wickelwind empfiehlt Eltern ihre Babys, sobald sie mehr sehen wollen oder vor dem Bauch zu schwer werden, weit oben auf dem Rücken zu tragen. Das hohe Rückentragen ermöglicht dem Kind mehr zu sehen, schützt es vor Reizüberflutung und entlastet den Beckenboden der Frau sowie den Rücken - ausserdem bietet es noch viele weitere Vorteile, aber dazu ein anderes Mal mehr :-). Eine weitere Alternative stellt das Tragen auf der Hüfte dar, vor allem wenn dein Kind mehr sehen möchte. Auch in dieser Trageweise kann es sich selbständig vor Reizen schützen. Solltest du allerdings Probleme mit Beckenboden oder Rücken haben, kann auch das Tragen auf der Hüfte unbequem werden.

 

Hast du Fragen zum Tragen? Gerne berate ich dich, um die optimale Trageweise für dich und dein Baby zu finden.

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Thalia (Donnerstag, 05 März 2020 03:49)

    Häsch du super gschriebe Daniela. Bsunders das im Punkt zwei gfallt mir... das sägi ja scho lang. Bravo �� �

  • #2

    Daniela von Wickelwind (Donnerstag, 05 März 2020 09:27)

    Liebe Thalia, das freut mich, dass dir der Beitrag gefällt :-) Vielen Dank.