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Wutanfall - so unterstützt du dein Kind

Wutanfälle von Kleinkindern und teilweise auch älteren Kindern sind ganz schön nervenaufreibend. Wenn ein kleines Kind vor Wut so richtig tobt und schreit und manchmal auch schlägt, Dinge kaputt macht oder sich selber verletzt, löst dies bei den Eltern verschiedenste Gefühle aus; Hilflosigkeit, Wut, Verzweiflung, Scham, und häufig den Drang das Kind sofort «abzustellen». Woher kommen diese Aussetzer bei Kindern und wie können wir unser Kind dabei unterstützen?

Warum haben Kinder Wutanfälle?

Irgendwann Ende des ersten oder im zweiten Lebensjahr kommt ein Kind in die Autonomiephase. Es beginnt sich als eigenständige Person wahrzunehmen und eigene Ideen zu entwickeln, aber gleichzeitig ist sein Gehirn noch nicht reif genug, um auf unvorhergesehene Ereignisse flexibel zu reagieren. Läuft etwas nicht nach Plan, löst dies beim Kind heftige Gefühle wie Wut oder auch Traurigkeit, Eifersucht, Neid oder Verzweiflung aus. Es wird dabei von den Gefühlen regelrecht überrollt und hat in diesem Moment keinen Zugang zu «vernünftigen» Lösungen – auch ältere Kinder nicht. Ebenso ist es gerade nicht empfänglich für Erklärungen oder Beschwichtigungen. Dem Kind fehlt noch die Fähigkeit, sich selber zu beruhigen, es braucht dazu seine Eltern. Wutanfälle können ausgelöst werden, weil Mama oder Papa zu einer Idee «nein» sagen, oder weil das Kind etwas noch nicht kann oder auch weil sein Vorhaben schlicht nicht umsetzbar ist. 

 

Das Kind soll in dieser Phase lernen, die unterschiedlichen Gefühle wahrzunehmen und einen Umgang mit starken Gefühlen und mit Frust zu lernen. Es kann sich erst bedingt selber regulieren. Es ist nicht die Aufgabe und sogar kontraproduktiv, wenn die Eltern versuchen, das Kind vor Frust zu schützen oder es versuchen von seinen Gefühlen abzulenken. Den erst durch das Erleben von Frust, kann es lernen, dass Frust, Wut und all die anderen unangenehmen Gefühle zum Leben dazugehören und dass es in Ordnung ist, diese Gefühle zu haben. Bleib also weiterhin bei deinem Nein, auch wenn du weisst, dass es bei deinem Kind einen Anfall auslösen kann. Es ist allerdings auch nicht nötig, Situationen zu schaffen, indem das Kind Frust erlebt. 

Welche Gefühle kann der Wutanfall des Kindes bei den Eltern auslösen?

Wichtig ist, dass du dir zuerst einmal über deine eigenen aufkommenden Gefühle während eines Wutanfalles von deinem Kind im Klaren wirst. Warum werde ich wütend? Warum schäme ich mich? Was stresst mich? Hinterfrage auch deinen eigenen Zugang zu den Gefühlen Wut, Eifersucht, Neid usw. Lässt du diese Gefühle bei dir zu? Schämst du dich, wenn du wütend wirst? Nimmst du Neid oder Eifersucht wahr? Oder verbietest du dir diese Gefühle? Wenn ja, warum? Werde dir bewusst, dass es keine bösen oder verbotene Gefühle gibt. Jedes Gefühl hat seine Berechtigung und taucht in dir auf, um dir etwas Wichtiges mitzuteilen. Nur, wenn du die Gefühle zulässt, findest du heraus, was es ist und kannst deine Entscheidungen darauf ausrichten. Erst wenn du einen Umgang mit deinen Gefühlen gelernt hast, ist es dir möglich bei einem Wutanfall deines Kindes Ruhe und Gelassenheit auzustrahlen. Dies hilft deinem Kind sich zu beruhigen. Rufe dir auch immer wieder ins Gedächtnis, dass sich die Situation für dein Kind gerade wie eine ernsthafte Katastrophe anfühlt. Es will nicht seinen Willen durchsetzen, es trotzt auch nicht und es möchte dich nicht testen, ärgern oder gar manipulieren. Für dein Kind bricht gerade eine Welt zusammen und es braucht dringend seine Eltern, die ihm da durchhelfen. 

So begleitest du dein Kind bei einem Wutanfall

Du kannst versuchen dein Kind bei einem Wutanfall in den Arm zu nehmen und zu trösten. Sehr häufig ist dies aber zu Beginn eines Wutanfalls nicht möglich. Das Kind schlägt um sich und häufig auch gegen die Eltern. Dann sitze etwas weiter entfernt daneben. Schütze das Kind, wenn nötig, vor Selbstverletzungen – ebenso andere Lebewesen oder Dinge. Je nach Kind kannst du eine Hand auf seinen Körper legen und so Körperkontakt herstellen. Falls du merkst, dass sich dein Kind dabei zusätzlich aufregt, sitze nur daneben und reiche deinem Kind von Zeit zu Zeit die Hand. Irgendwann wird es sie nehmen und sich folglich dann auch von dir in den Arm nehmen und trösten lassen. Wichtig bei der Begleitung ist deine innere Haltung: Signalisiere deinem Kind ich bin da für dich und ich liebe dich. Auch wenn du wütend und frustriert bist. Deine Gefühle sind ok, du bist ok. Spiegle dein Kind, indem du seine Gefühle benennst. So lernt es, was in ihm vorgeht und wie das Gefühl heisst. Bspw: «Das hat dich jetzt total wütend gemacht, dass du kein Eis darfst, das kann ich verstehen. Du möchtest gerne selber bestimmen» oder «dass ich deinen Bruder gerade so viel stille, macht dich wohl eifersüchtig. Das ist ganz verständlich» oder «ich kann verstehen, dass du traurig bist, weil Papa heute Abend noch weg muss». Häufig ist man dazu geneigt, weitere Erklärungen oder bereits Lösungsvorschläge anzubringen. Das Kind ist aber in diesem Zustand häufig gar nicht aufnahmebereit und das 'auf es einreden', stresst es häufig noch zusätzlich. Warte damit also bis nach dem Wutanfall und gib deinem Kind genügend Zeit, sich zu beruhigen. Wer weiss, vielleicht findet es ja nach dem grossen Sturm sogar selbst eine Lösung.

Das solltest du bei einem Wutanfall deines Kindes nicht machen (und auch sonst nicht)

  • Die Gefühle deines Kindes klein zu reden: «Ist doch nicht so schlimm» oder «es ist ja gar nichts passiert».
  • Deinem Kind das Gefühl geben, dass du es nur liebst, wenn es fröhlich und gut gelaunt ist: «Gehe in dein Zimmer und komm erst wieder, wenn du dich beruhigt hast».
  • Dein Kind von seinem Gefühl ablenken mit Essen, Fernsehen usw.
  • Das Kind abwerten: «Du bist so eine Heulsuse» oder «Spinnst du jetzt total?».
  • Davon ausgehen, dass das Kind sein Verhalten steuern kann: «Reiss dich doch mal zusammen», «Mach nicht so ein Drama».
  • Das Kind ignorieren und ihm damit signalisieren, dass es nur willkommen ist und Aufmerksamkeit bekommt, wenn es gut gelaunt ist.
  • Drohen, erpressen, bestrafen: «Wenn du nicht sofort aufhörst, gehen wir heute Nachmittag nicht ins Schwimmbad».

Was wird erreicht durch die liebevolle Begleitung eines Wutanfalles?

Für die gesunde Entwicklung eines Menschen ist es von grosser Wichtigkeit, dass er lernt, dass alle Gefühle ihre Berechtigung haben. Dass er nicht immer fröhlich und ausgeglichen sein muss, sondern dass er auch wütend sein darf und genauso auch ängstlich, verzweifelt, eifersüchtig oder neidisch. Wird einem Kind diese Gefühle verboten, indem man sie klein redet oder sogar mit dem Kind schimpft, wird es lernen die vermeintlich schlechten Gefühle zu unterdrücken. Von aussen mag es vielleicht aussehen, als habe das Kind gelernt sich selber zu beruhigen, aber in Wirklichkeit hat es nur gelernt, aufkommende negative Gefühle wegzuschieben. In der Folge wird es als Erwachsener Mühe haben, seine Gefühle wahrzunehmen und auf diese zu vertrauen. Und da es nicht möglich ist, nur einzelne Gefühle zu unterdrücken und abzudämpfen, wird es auch all die schönen Gefühle wie Freude, Liebe oder Begeisterung nicht mehr so intensiv erleben. Diese Gefühlskälte und der schlechte Zugang zu den Gefühlen ist ein Nährboden für viele psychische Erkrankungen wie Burnout, Depression oder Sucht. Viel mehr hilft es dem Kind, wenn es lernt, seine Gefühle wahrzunehmen, zu erkennen und einen Umgang damit zu finden. Die sogenannte Selbstregulationsfähigkeit lernt das Kind also, indem es alle seine Gefühle ausleben darf (das Kind wird in seiner Wut, Trauer, Eifersucht… liebevoll angenommen und begleitet), indem die Eltern ihm helfen, die Gefühle einzuordnen (benennen der Gefühle) und die Eltern mit ihrer Ruhe dem Kind helfen sich zu beruhigen (Co-Regulation). Das Spiegeln und Benennen der Gefühle des Kindes und insbesondere, dass es in seinen Gefühlen ernst genommen wird, gilt übrigens auch für die Angst. Und natürlich auch für alle schönen Gefühle.

 

Wie häufig Wutanfälle vorkommen, ist sehr individuell. Bei einigen Kindern sind es ein paar wenige in der gesamten Kindheit bei anderen drei, vier täglich bis ins Schulalter oder länger. Ebenso unterscheiden sie sich in der Länge von ungefähr fünf Minuten bis zu einer Stunde. Hast du ein Kind, dass sehr viele und lange Wutanfälle hat? Oder bist du besorgt, ab der Heftigkeit der Ausbrüche? Oder fällt es dir schwer, dein Kind in Ruhe und liebevoll zu belgeiten? Dies kann alles viele Gründe haben und ist für das Kind wie auch für die Eltern eine riesengrosse Herausforderung. Ich schaue gerne mir dir eure individuelle Situation an. Melde dich doch einfach unverbindlich für eine Elternberatung.

 

Wie gehst du mit den Wutanfällen deines Kindes um? Fällt es dir leicht jederzeit ruhig und gelassen zu bleiben? Was lösen die Wutanfälle bei dir aus? Ich freue mich über deinen Kommentar.

 

Daniela

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