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Fremdbetreuung - so findest du den perfekten Platz

Fremdbetreuung, was heisst das denn genau? Niemand lässt ja seine Kinder durch Fremde betreuen, oder? Fremdbetreuung ist es immer dann, wenn das Kind nicht durch Familienmitglieder und gegen Entgelt betreut wird. Deshalb ist hier die Sorge der Eltern häufig gross, ob es dem Kind in der Betreuung gut geht und ob es gut umsorgt wird. Das Thema Fremdbeteuung ist ja schon länger umstritten. Die einen sind sich einig, dass Fremdbetreuung in den ersten drei Lebensjahren schädlich für das Kind ist und dieses ausschliesslich von den Eltern betreut werden soll. Andere sind der Meinung, dass fremdbetreute Kinder selbständiger sind und bessere soziale Kompetenzen aufweisen. Und wie ist es für das Kind? Wozu sind unsere Kinder gemacht? Babys und Kinder sind absolut im Stande sich an mehrere Bezugspersonen zu binden. In der längsten Zeit der Menschheitsgeschichte wurden Kinder nicht ausschliesslich von der Mutter betreut. Auch in Naturvölkern ist niemals die Mutter alleine für die Betreuung ihrer Kinder zuständig. Aber meistens handelte es sich dabei um den Eltern bekannte Personen aus der Verwandtschaft und nicht um «Fremde». Die bisher aufwändigste Studie zum Thema Fremdbetreuung kommt zum Schluss: Weder die Fremdbetreuung noch die Vollzeitbetreuung durch die Mutter bieten grundsätzliche Vorteile für das Kind. Vielmehr kommt es auf die Qualität der Betreuung an – zu Hause und in der Krippe. Nun stellt sich die Frage, wie man den die Qualität einer Fremdbetreuung einschätzen kann. Was ist gute Qualität bei der Fremdbetreuung und wie erkenne ich sie?

 

Nachfolgend beschreibe ich dir verschiedene Punkte, die dir helfen, eine Krippe nach deinen Wünschen zu finden. Diese Punkte können übrigens mehr oder weniger angepasst auch für Tagesmütter oder Spielgruppen angewendet werden.

Betreuungsschlüssel

Die Betreuerinnen in den Krippen müssen zu neuen Bindungspersonen des Kindes werden können. Sie müssen deshalb die Bedürfnisse des Kindes oder Babys verlässlich befriedigen können. Dies ist nur gewährleitstet, wenn auf eine Betreuerin nicht zu viele Kinder kommen. Optimalerweise betreut eine Person ein bis zwei Babys (drei bis 18Mt.) oder vier Kleinkinder. Die Betreuungsschlüssel die gesetzlich vorgeschrieben sind, sind von Kanton zu Kanton unterschiedlich. Der Verband für Kinderbetreuung Schweiz empfiehlt bspw. dass eine Fachperson Betreuung max. drei Säuglinge oder fünf Kleinkinder betreuen soll. Frag also unbedingt genau nach, wenn du dich für eine Kinderkrippe interessierst. Bei den gesetzlich vorgeschriebenen Betreuungsschlüsseln handelt es sich lediglich um einen Mindeststandart. 

Räumlichkeiten

Frag auch nach, wieviele Kinder und Säuglinge in der Kinderkrippe pro Tag betreut werden und vergleiche die Angabe mit der Grösse der Räume. Haben die Kinder genug Platz? Gibt es Rückzugsmöglichkeiten für die Kinder? Haben Säuglinge die Möglichkeit in einem eigenen Raum ungestört zu schlafen? Was ist mit Kindern, die keinen Mittagsschlaf mehr machen, haben diese einen Ort, wo sie in der Mittagspause in Ruhe spielen können? Wie sieht der Aussenraum der Krippe aus? Gibt es einen eingezäunten Garten? So dass die Kinder nach draussen können, wenn sie Lust dazu haben und nicht nur wenn es auf dem Programm steht? Betreffend der Räumlichkeiten gibt es natürlich viele «nice to have»’s wie Bastelzimmer, Gumpizimmer, Musikzimmer usw. Aber nicht jede Krippe kann alles anbieten. Überlege dir hier, was für dein Kind wichtig ist. Das eine braucht vielleicht unbedingt ein Bastelzimmer, das andere hat lieber ein Gumpizimmer.

Leitsätze

Die Leitsätze, teilweise auch Grundsätze genannt, findest du meistens auf der Webseite der Kinderkrippe. Es werden die Werte beschrieben, die den Krippenalltag bestimmen, nach welchen pädagogischen Grundsätzen gehandelt wird und was für eine Haltung das Krippenpersonal hat. Bei Leitsätzen wird aber immer nur beschrieben, was Wichtig ist und an was geglaubt wir. Wie diese Werte im Krippenalltag umgesetzt werden oder woran man die beschriebene Haltungen im Umgang mit den Kinder sieht, wird nicht beschrieben. Die Leitsätze geben dennoch einen guten ersten Eindruck und helfen dir einzuschätzen, ob sich diese Werte mit den eigenen decken. Wichtig ist aber dennoch das konkrete Nachfragen. Bspw. schreibt eine Kinderkrippe in ihren Leitsätzen:

 

«Wir fördern Offenheit, Ehrlichkeit und gegenseitiges Vertrauen, damit eine gemeinsame und optimale Begleitung des Kindes sichergestellt ist.»

 

Du könntest hier bspw. folgende Fragen stellen: «Wie sieht denn diese Förderung im Alltag aus? Was versteht ihr unter optimaler Begleitung? Wann ist eine Begleitung optimal, wann nicht?» Und so weiter und so fort… So erkennst du schnell, ob diese Leitsätze bei der Gründung einfach mal schnell schnell aufgeschrieben wurden oder ob diese wirklich den Alltag der Kinder und den Umgang mit diesen bestimmen.

Eingewöhnung

Über die Eingewöhnung liesse sich ein ganzer Artikel schreiben, da diese zentral für einen guten Start in die Krippe und auch für zukünftige Ablösungsprozesse ist. Ich halte mich dennoch so kurz wie möglich. Die Eingewöhnungsphase ist die Zeit, die das Kind braucht, um sich auch ohne Eltern, in der Krippe wohl und sicher zu fühlen. Das Kind muss zuerst im Beisein seiner Hauptbezugsperson eine Beziehung zu den Betreuerinnen aufbauen, bevor es ohne Stress alleine in der Kinderkrippe bleiben kann. Um diese Eingewöhnungsphase optimal zu gestalten, gibt es verschiedene Modelle. Bewährt hat sich das Berliner Modell und sogar noch differenzierter auf die verschiedenen Bedürfnisse und Situationen der Kinder geht das Zürcher Modell ein. Hier findest du mehr dazu. Für eine gute Eingewöhnung ist aber nicht nur die Kinderkrippe, sondern sind auch die Eltern verantwortlich. Hier ist vor allem die Haltung der Bezugspersonen zentral. Die Eltern müssen ihr Kind mit gutem Gefühl an diesem Ort abgeben, sonst entsteht auch beim Kind eine Unsicherheit, dies macht die Eingewöhnung dann viel schwieriger und löst beidseitig noch mehr Unsicherheit aus. Nach der Eingewöhnungsphase wird die Art der Übergabe wichtig. Für viele Kinder kann die Übergabe trotz guter Eingewöhnung teilweise schwierig und mit Trennungsschmerz begleitet sein. Eine gut gestaltete und immer gleichbleibende Übergabesituation kann dem Kind helfen. Auf alle Fälle sollte das Kind immer persönlich von einer Betreuungsperson, am besten von seiner Bezugsperson, in Empfang genommen werden.

Ernährung

Für die einen ist es wichtig für die anderen weniger. Wie wird gekocht in der Krippe? Wird das Essen geliefert? Wenn ja, von wem? Wird Wert auf saisonales und biologisches Essen gelegt? Kann auf Wünsche der Eltern wie bspw. fleischlose Ernährung eingegangen werden? Welche Haltung hat die Krippe betreffend dem Essen? Wie werden Essensituationen gestaltet? Werden Säuglinge nach ihrem eigenen Rhythmus gefüttert oder nach Zeitplan? Überlege dir, was euch wichtig ist und stelle dazu die nötigen Fragen.

Zusammenarbeit mit den Eltern

Das Betreuungspersonal in der Krippe sollte nicht nur gegenüber den Kindern feinfühlig und verständnisvoll sein, sondern auch gegenüber den Eltern, deren Ängsten und Bedürfnissen. Natürlich kann die Krippe nicht auf alle Wünsche der Eltern eingehen. Verständnis, Transparenz und Respekt sind jedoch wichtige Faktoren in der Zusammenarbeit mit den Eltern. Dies gilt übrigens auch für die Eltern in Bezug auf das Krippenpersonal – dies kommt beiden Seiten zu Gute und allen voran dem Kind.

Besichtigung und persönliches Gespräch

Alles oben Beschriebene kannst du nicht über die Webseite oder ein Telefongespräch erfahren. Wenn du dich für eine Kinderkrippe interessierst, dann vereinbare ein persönliches Gespräch mit der Krippenleitung und einen Schnuppertag oder auch nur einen halben. Bereite dich gut vor auf das Gespräch, schreibe dir alle Fragen auf, die du hast. Studiere die Leitsätze und notiere dir auch dazu Fragen. Du wirst schon bei diesem Gespräch spüren, ob man dich ernst nimmt und ob man sich Zeit für dich nimmt. Während des Schnupperns beobachte nicht nur, wie man auf dein Kind eingeht, sondern beobachte auch den Krippenalltag, den Umgang mit den anderen Kindern und das Klima, das herrscht. Wie wird auf die Bedürfnisse der Kinder und Säuglinge eingegangen? Wie wird auf Konflikte reagiert? Was passiert, wenn Kinder sich nicht an Regeln halten? Wie werden Kinder getröstet? Wirken die Kinder entspannt? Wie sieht es mit den Betreuerinnen aus? Wirken sie gelassen oder gestresst und überfordert? Sind sie fröhlich oder angespannt? Diese Beobachtungen werden dir bereits einen sehr guten Eindruck geben. Kommt dir etwas komisch vor? Dann frage auch hier direkt nach.

Die Chemie muss einfach stimmen

Der wichtigste und simpelste Punkt zu guter Letzt. Du und dein Kind, ihr müsst euch in den Räumen wohl fühlen und das Krippenpersonal mögen.

Vielen Dank an Daniela Pinto für die Inputs und die Beantwortung meiner Fragen zu diesem Thema. Daniela ist ebenfalls Sozialarbeiterin und hat langjähriger Erfahrung in der Krippenleitung.

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